LES DEUX
OR HOW TO PERFORM A RECITAL AFTER CATHY WITH AN ORCHESTRA OF FOOLS
Musiktheaterperformance
nach Luciano Berio’s “Recital for Cathy”
Claudio Monteverdi Lettera Amorosa * John Cage Solo for Voice 52 * Kaija Saariaho From the Grammar of Dreams * John Cage The Wonderful Widow of Eighteen Springs * Irish Folk * Josef Strauss Ich komm’ herein vom Land * Herbert Hughes O men from the fields * Georges Bizet Habanera * Aníbal Troilo Malena * T.C. Kelly The Mother * Kaija Saariaho Il pleut * Jules Massenet Celle qui vent * Claudio Monteverdi Pur ti miro * Friedrich Hollaender Wenn ich mir was wünschen dürfte * Charles Villiers Stanford La Belle Dame Sans Merci * Johann Strauss Ich lade gern mir Gäste ein * Cathy Berberian Stripsody * Kurt Weill Die Seeräuber-Jenny * Maurice Ravel Ondine * Kurt Weill Je ne t’aime pas * Benjamin Britten Mother Comfort * Friedrich Hollaender Illusions * Jule Styne Don’t rain on my parade * Georg Friedrich Händel He was despised Giovanni Battista Pergolesi Stabat Mater * Henry Purcell When I am Laid * Bernhard Lang Ach ich fühl’s * Luciano Berio Avendo Gran Desio * System of a Down Chop Suey
mit Fragmenten aus:
Eine Ko-Produktion der Neue Oper Wien und Kunstuniversität Graz
Vorstellungen unter anderem im
Theater im Palais Graz, Kunsthaus Graz, Das Hufnagl, Theater am Spielberg, WUK, Vindobona
Team
Konzept + Inszenierung Emily Hehl
Gesamtleitung und Einstudierung Gan-ya Ben-gur Akselrod
Musikalische Einstudierung, Arrangements, Sound-Design Andrey Doynikov
Besetzung
Ellen Rose Kelly
Christine Rainer
Maria Iaiza
und Musiker*innen von PPCM Instrumental
KRITIKEN
Die Neue Oper Wien vollzieht mit einem irrwitzigen Trio-Abend eine Zeitenwende
Hochamüsant
In dieser Woche startete man erst einmal mit einem kleinen, doch hochamüsanten Abend in die Saison: Die Performance Les Deux erweist sich als Wundertüte, die ihren Inhalt in kunterbunten 70 Minuten ausschüttet. Ausgangspunkt ist ein verpatzter Liederabend: Eine Pianistin versetzt zwei Sängerinnen – doch weil das Publikum längst da ist, muss Musik her. Erfreulicherweise sind Christine Rainer (Sopran) und Ellen Rose Kelly (Mezzo) nicht nur stimmlich fit. Unter Aufbietung eines skurrilen Instrumente-Fuhrparks von Geige über Melodica bis Röhrenglocke setzt es statt Klavier reichlich Musik-Slapstick.
Stilistisch arbeitet sich das Frauenduo dabei quer durch den Gemüsegarten, beschert dem Publikum Fidel-Folklore à la Michael Flatley ebenso wie Operette, Habanera, Barockes und Rockiges. Dass irgendwann doch die Pianistin auftaucht (Maria Iaiza), tut dem turbulenten Treiben keinen Abbruch, sondern befeuert die Emotionen. "Nicht auf die Pianistin schießen!", fleht diese auf einem Plakat. Noch bis 23. Mai ist der irrwitzige Parforceritt, inspiriert von Luciano Berios Recital for Cathy, zu erleben: hingehen dringend empfohlen.
– Der Standard | Christoph Irrgeher
LES DEUX
or how to perform a recital after cathy with an orchestra of fools
ist eine interdisziplinäre Performance, die aus der Konfrontation von vier jungen Frauen – drei Studentinnen der Kunstuniversität Graz und einer Regisseurin – mit Luciano Berios „Recital for Cathy“ entsteht. Berios Werk ist nicht nur ein tragikomischer Kommentar auf die Situation des Liederabends, sondern vielmehr eine Hommage an seine Frau Cathy Berberian. Berio beschrieb sie als eine Sängerin, "die wahrscheinlich mehr als jede andere zu einem globalen, nicht spezialisierten Ansatz in der zeitgenössischen Vokalmusik beigetragen hat".
LES DEUX or how to perform a recital after cathy ist ein Tribut an ebendiese virtuose Anti-Virtuosität: In einem Raum voller Instrumente feiern drei Frauen die vollkommene Unvollkommenheit!
Die Situation des Abends ist simpel: Zwei Sängerinnen wollen Berios ikonisches Werk zur Aufführung bringen, doch weder Pianistin noch Orchester erscheinen. So entsteht ein kraftvoller postfeministischer Abend, an dem drei junge Frauen mit ihren Stimmen und Körpern, ihren Biografien und Talenten nicht nur ihre Virtuosität, sondern ihre Verletzlichkeit ins Zentrum stellen. Die Hierarchie zwischen Sängerinnen und Instrumentalistinnen wird dabei vollständig aufgelöst: drei Performerinnen werden zu einem weiblichen Orchester, das ein interdisziplinäres Musikereignis auf die Bühne bringt.
Auf der Linie zwischen Theaterabend und Konzert tanzt die weibliche non-virtuose Extravaganz!
Fotos © Johannes Gellner | Alexander Wenzel / KUG